| Der
Begriff 'sinnvoll' in der Medizin
Versuch einer rein menschlichen Deutung
Chirurgenkongress Wien Hofburg
26.05.2005
Zugang zum Thema
Was bedeutet „sinnvoll“?
„Wer über den Sinn des Lebens nachdenkt, hat
bereits eine Diagnose!“
Das von Sigmund Freud überlieferte Wort ist zu seiner
Jahrhundertwende in kirchlichem Kontext als Blasphemie und
schwere Kränkung missverstanden worden. Aber im Grunde
sagt er damit ja nur etwas, was sich auch in der exegetischen
Erforschung biblischer Texte und in philosophischen Überlegungen
auch außerhalb religiöser Kontexte bestätigen
lässt:
Leben genügt dem Leben, Glaube dem Glauben und die
Liebe der Liebe.
Liebe, die sich begründen lässt, hört auf
Liebe zu sein, sie ist nur dann sinnvoll, wenn sie nutzlos
und zwecklos ist….
Ist also von daher betrachtet das Thema, das sie mir stellen,
gleichzeitig ein Befund darüber, dass Medizin, so wie
wir sie praktizieren, aus dem Gleichgewicht geraten ist?
Als Viktor Frankl, dessen 100. Geburtstag wir am 26. März
gefeiert haben, nach dem Sinn seines Lebens gefragt worden
ist, soll er geantwortet haben: „Der Sinn meines Lebens
besteht darin, anderen bei der Suche nach dem Sinn ihres
Lebens behilflich zu sein. Und in diesem Kontext hat Frankl
dann logischer- oder soll ich sagen „psycho-logischer-weise“
vom Arzt als Seelsorger gesprochen.
Frankl nennt das Gewissen des Menschen „ein Sinn-Organ“
und definiert es als „die Fähigkeit, den einmaligen
und einzigartigen Sinn, der in jeder Situation verborgen
ist, aufzuspüren“ , fügt aber hinzu, dass
das Gewissen den Menschen auch irreführen kann.
„Mehr noch: bis zum letzten Augenblick, bis zum letzten
Atemzug weiß der Mensch nicht, ob er wirklich den
Sinn seines Lebens erfüllt oder sich nicht vielmehr
nur getäuscht hat: ignoramus et ignorabimus. Da wir
nicht einmal auf unserem Sterbebett wissen werden, ob das
Sinn-Organ, unser Gewissen, nicht am Ende einer Sinn-Täuschung
unterlegen ist, bedeutet aber auch schon, dass der eine
nicht weiß, ob nicht das Gewissen des anderen recht
gehabt haben mag. Das soll nicht heißen, dass es keine
Wahrheit gibt. Es kann nur eine Wahrheit geben; aber niemand
kann wissen, ob es er ist und nicht jemand anderer, der
sie besitzt."
Moritz Schlick, der Wiener Philosoph der Dreißigerjahre,
erstochen aus Eifersucht auf den Stufen der Wiener Universität,
hat ein wunderbares Werk verfasst zum Thema „Der Sinn
des Lebens“. Darin heißt es sinngemäß
und im Unterschied zu Sinnangeboten religiöser Gemeinschaften:
„Der Sinn des Lebens kann nicht definiert, er muss
von jedem Menschen erarbeitet werden.“
Der große Österreicher, der in England geadelte
Sir Karl Popper sagt: „Warte nicht darauf, im Laufe
der Geschichte Sinn zu entdecken. Gib du selbst der Geschichte
Sinn. Anders wirst du keinen finden.
Mahatma Ghandi, der große Mann des gewaltfreien Widerstandes,
der politischen Kultur und der religiösen Toleranz,
hat zu christlichen Missionaren auf die Frage, wie man den
Hindus die Bergpredigt nahebringen soll, geantwortet: „Denken
Sie an das Geheimnis der Rose! Alle mögen sie, weil
sie duftet. Also duften sie!“
„Sinnvoll“ bedeutet in diesem Zusammenhang:
„Was zu Herzen geht“, was berührt, was
hilft, ermutigt, lindert, heilt und tröstet.
1. Die Ausnahmesituation als Regelfall
„Leben ist das, was passiert, während wir andere
Pläne schmieden.“
(John Lennon)
Der Arzt findet am Krankenbett Menschen in Ausnahmesituationen
vor, denen in den allermeisten Fällen das Nichtvorstellbare
passiert ist. Dieser Umstand erfordert von helfenden Berufen
besondere und qualifizierte Aufmerksamkeit, Achtung, Mitgefühl,
Empathie, Nähe… D.h. am Krankenbett sind sie
zuallererst als Mensch gefordert.
„Da findet man einen Menschen
der ein Mensch ist
ein Mensch bleibt
und die Menschen für Menschen hält
weil er ein Mensch ist
Unfassbar
so ein Mensch“
Susanne HennemannAus der Tradition des Asklepios kennen
wir den Grundsatz:
„Zuerst heile durch das Wort,
dann durch das pharmacon
und erst dann durch das Messer.“
1.1. Das Wort als Instrument
Matthias Varga von Kibed hat im Umgang mit der Sprache eine
für mich sehr plausible Unterscheidung getroffen: „Sprache
kann normativ sein, deskriptiv oder kurativ“, das
heißt: Sprache als normative Sprache ist die Sprache,
würde Luther sagen, der Feldwebel, der Schulmeister,
der Pfarrherrn und der Landesherrn. Das heißt derjenigen,
die wissen, wenn sie sprechen, dann wird das, was sie sagen,
befolgt, die anderen haben sich danach zu richten...
Eine deskriptive Sprache ist eine Sprache, die beschreibt
was ist, die Sprache der Meteorologen, der Geographen, der
Naturwissenschaft überhaupt.
Das dritte Element halte ich für das wichtigste, wobei
die anderen nicht unwichtig sind, nur in ihrem Gewicht sehr
oft überbetont werden. Das dritte ist die kurative
Dimension der Sprache, das heißt: eine Sprache, die
wie eine Kur wirkt, die wohl tut, die zu Herzen geht, die
aufbaut, die ermutigt, die heilt, die hilft.
Die Sprache am Krankenbett muss in erster Linie kurativ
sein.
„Die Begleitung eines Kranken muss damit beginnen,
sich gegenseitig ins Gesicht zu sehen, sie kann nur erfolgen
im Verlaufe eines langen Abenteuers zu zweit, in der Intimität
menschlicher Wechselbeziehungen, nicht anonym, unpersönlich,
mit Worten wie aus Stein.“ (J.P. Sartre)
1.2. Schwierigkeiten der Kommunikation
Die kompetente Begleitung eines Menschen während seiner
Krankheit ist „ein langes Abenteuer zu zweit“.
Die ausgewogene Balance von Nähe und Distanz bildet
in jeder Art der Kommunikation, aber vor allem in den so
genannten „helfenden Berufen“ die wesentliche
Voraussetzung für effektive berufliche Hilfestellung.
In einem Brief eines Patienten an seinen Therapeuten lese
ich:
„Bitte höre, was ich nicht sage! Lass’
Dich von mir nicht täuschen; denn ich erzähle
Dir alles, was nichts-sagend ist und nichts von dem, was
in mir schreit!“
Die hohe Kunst der „Empathie“ bedeutet in diesem
Zusammenhang die Fähigkeit, „mit den Augen eines
anderen zu sehen und mit dem Herzen eines anderen zu fühlen“
(Alfred Adler). Dieses Einfühlungsvermögen ist
aber nur zu erreichen, wenn die Krankenschwester/der Arzt/die
Ärztin/der Pfleger/die Seelsorgerin/der Priester...
für einige Zeit auf einen Teil ihrer/seiner eigenen
Identität verzichten kann. Diese Grundhaltung führt
in eine Beziehung zum Kranken, die in ihrer Eigenart nur
paradox beschrieben werden kann:
Man muss dem Patienten gegenüber offen, echt und natürlich,
und gleichzeitig distanziert und neutral sein. Der/die Helfende
wendet sich dem Patienten emotional und in exklusiver Weise
zu. Er/sie wird dadurch zur begehrten Person, welche die
unbewussten Wünsche, Phantasien und Konflikte des Patienten
auf sich zieht. Gleichzeitig bleibt der/die Helfende Helfende/r
und nur Helfende/r und wahrt den Übertragungskonflikten
gegenüber Distanz und Neutralität. Er/sie nimmt
Wunsch und Abwehr gleichermaßen auf und widersetzt
sich ihnen. Beide Beziehungsaspekte - Zuwendung und Versagung
- sind notwendig, um die Übertragungskonflikte in dieser
Situation zu halten und durchzuarbeiten.
Wir nennen diese Haltung in der Therapie „Holding“
- „Halten“, ein Begriff, der Freud noch nicht
zur Verfügung war. Aber er hatte wohl dasselbe im Auge,
wenn er sagt, die Analyse müsse „in der Entbehrung
- Abstinenz - durchgeführt werden“. Auch hat
Freud den Analytiker mit einem Spiegel verglichen oder gar
mit einem Chirurgen, dessen Messer das Wort sei. Aber genau
genommen ist ja nicht das Wort des Therapeuten die wichtigste
Dimension in der heilenden Begegnung, sondern das Wort,
zum dem der Patient sich endlich durchringen kann; ein Wort,
das ihm nicht mehr, wie so lang, im Hals stecken bleibt,
sondern endlich ausgesprochen werden kann….
Die Empathie bleibt dabei das Herz des ganzen Prozesses.
Edith Jacobsen spricht von „Tiefensensibilität“,
Rene Spitz von „coenästhetischer Wahrnehmung“:
Es geht dabei immer um „die Fähigkeit, das psychische
Leben anderer Menschen einfühlend wahrzunehmen und
zu verstehen“(Müller-Pozzi,36).
1.3. Eigenanteil des Helfenden
Wir können nicht nicht kommunizieren!
Wir sprechen schon lange bevor das erste Wort gefallen ist.
„Gedacht ist nicht gesagt, gesagt ist nicht gehört,
gehört ist nicht verstanden, verstanden ist nicht einverstanden.“
Zwischen dem ersten Gedanken des Helfenden und dem Einverständnis
des Patienten liegt ein ganzer Kosmos, den zu durchschreiten
einem langen Abenteuer gleichkommt.
Und außerdem muss sich der Helfende eingestehen:
Ist es nicht so, dass ich mich selbst nicht verstehe? Wenn
Freud Recht haben sollte, dann sind geschätzte 6/7-tel
dessen, was ich tue, aus meinem Unbewussten gesteuert und
mir selbst bewusst nicht zugänglich. Wie soll ich da
den Anderen verstehen können?
(Der betrunken heimwärts torkelnde Philosoph Arthur
Schopenhauer sei von einem Polizisten angesprochen worden:
„Wer sind sie?“ Und Schopenhauer soll geantwortet
haben: „Wenn ich das nur wüsste!“)
Ich merke, wo ich den Anderen in seinem Eigenen zu verstehen
glaubte, habe ich in Wahrheit sein Bild geformt nach dem
meinen. Wo ich Motive zu durchdringen glaubte, habe ich
tatsächlich solche unterlegt. Ich habe den Anderen
vereinfacht. Ich habe ihn verändert; vielleicht sogar
mehrmals, je nach dem Bedarf der Stunde. Ich habe eine bestimmte
Schicht seines Wesens verstanden; aber nicht, was darunter
lag.
Alfred Adler spricht in diesem Zusammenhang von „selektiver
Wahrnehmung“ oder „tendenzieller Apperzeption“.
Darum reden vor allem narzistisch gekränkte Fachleute
selten miteinander, sie warten im Grunde nur auf ihren Auftritt,
um loszuwerden, was ohne den Beitrag des Kollegen verstanden
zu haben, lange vorher schon vorbereitet wurde.
Diskussio - wörtlich „auseinanderschlagen“
- ist daher keine Art, miteinander ins Gespräch zu
kommen. In ihrer Folge wird es kalt zwischen Menschen. Erwartungen
werden nicht mehr erfüllt… und wir missbrauchen
sehr schnell den anderen Menschen als Laufsteg für
unsere professionellen Eitelkeiten.2. Die Sprache in ihrer
„psychogrammatikalischen“ Qualität, oder:
Der Beitrag der Postmoderne
Ein Mensch ist krank:
Wie geht es Dir? (subjektives Erleben unter Einschluss des
unbewussten „es“)
Was hast Du denn? (diagnostische Ebene Krankheit als Besitz,
als „Haben“, wir reden ja auch vom „sekundären
Krankheitsgewinn“ ist „für was gut“)
Was fehlt Dir? (menschliches Element - Defizitaspekt)
Was ist los mit Dir? (aus dem Lot geraten)
Solches Fragen stellt eine Überleitung zum Erfassen
der Ganzheit dar, beziehungsweise impliziert so etwas wie
die andere Seite der Krankheit und der Gesundheit.
Gesundheit/Krankheit sind daher fließende-dynamische
Zustände, die sich durch die Funktionalität von
Kommunikations- und Interpretationsfluß innerhalb
eines Organismus’ und zwischen Organismus und Umwelt
bestimmen.
Wie also hier „sinnvoll“ kommunizieren und in
der Folge
therapeutisch handeln?
Bei der Bewertung einer Krankheit sind mir 3 Ebenen wichtig:
1. Wo ich handle, gibt immer einen größeren Kontext.
Darum achte ich auf die Definitionen und Bewertungen, die
ich vornehme, oder: Es könnte auch alles ganz anders
sein (A. Adler).
(Postmoderne: Keine letzte Wahrheit – Relativismus)
2. Wo ich handle, stehe ich in persönlicher Verantwortung
oder: Es gibt kein richtig oder falsch… Ich bin Teil
des Kontextes und alles was ich tue, hat Konsequenzen. Der
Patient darf durch mein Eingreifen kein größeres
Problem erleiden als sein „Ursprungsproblem“.
(Postmoderne: Keine Objektivität – Subjektivismus;
Kontextabhängigkeit allen Seins – Perspektivismus)
3. Wo ich handle, achte ich darauf, mir in respektvoller
Weise Unterschiede zu schaffen oder: Ich füge dem Bild
des Patienten ein neues hinzu. Eine Neue Perspektive im
Sinne von: „Auch das ist möglich“
(Postmoderne: Mehrdeutigkeit der Sprache; der Beobachter
ist immer
ein Teil des Systems – Konstruktivismus)
Die Sprache in der Psychiatrie ist ein Monolog der Vernunft
über den Wahnsinn. Die Sprache in der Medizin ist ein
Monolog der Vernunft über das Symptom. Monolog ist
abgebrochener Dialog.
Das Wiederaufnehmen dieses abgebrochenen Dialoges darf als
das Verdienst der Postmoderne in der Medizin bezeichnet
werden (Michael Musalek).
Im Zentrum der postmodernen Medizin stehen daher nicht mehr
die Krankheit und ihre Folgen, sondern der Dialog in seinen
unterschiedlichen Erscheinungsformen, Erlebnisweisen und
Handlungsmöglichkeiten, wie Musalek 2003 in Oxford
Science publizierte.
Von der Evidence-based-Medicine über die Values-based-Medicine
zur Human-based-Medicine. Von der deskriptiven über
die normative zur kurativen Sprache am Krankenbett.
Daher lautet die Frage nicht mehr nur: Welche Krankheiten
hat ein Mensch, sondern: Woran leidet er und was will/kann
seine Krankheit als psychogrammatikalisch verschlüsselte
Botschaft zum Ausdruck bringen.Einfach gesagt: Die Aufmerksamkeit
verlagert sich vom Befund zum Befinden, von der Frage „Was
haben Sie?“ zur Frage „Wie fühlen Sie sich?“
und „Was kann ich dazu tun, dass sich das ändert?“
Erwin Ringel hat gern an den Grundsatz eines seiner Lehrer
erinnert:
Wir müssten, um ihm helfen zu können, einen Patienten
zu allererst „wahr“-nehmen, d.h. das, was er
uns zeigt oder auch verbirgt, als ein Stück der Wahrheit
anerkennen und ihm so sein „Sein“- lassen.Ich
denke in diesem Zusammenhang an einen bewegenden Abschnitt
in Martin Buber’s Hauptwerk „Das dialogische
Prinzip“, in dem er sich im Grunde „nur“
mit diesen Elementen und Erfahrungen der Sprache auseinandersetzt.
Und da schreibt er:
„Man kann das Schweigen zwischen Menschen gar nicht
hoch genug als die wesentlichste Sprache zwischen ihnen
einschätzen.“
Ich denke in diesem Zusammenhang an das Buch Hiob. Dort
wird berichtet, wie Hiobs Freunde bei ihm zusammen kamen:
„Sie saßen bei ihm auf der Erde sieben Tage
und sieben Nächte; keiner sprach ein Wort zu ihm. Denn
sie sahen, dass sein Schmerz sehr groß war“(Hiob
2,13).
Es ist und bleibt ein Zeichen hoher professioneller menschlicher
Kompetenz, wenn wir es aushalten können, wenn uns die
Not eines Menschen stumm werden lässt und wir es aushalten
können, dass es uns zunächst die Sprache verschlägt…
3. Psychohygienische Voraussetzungen3.1. Erkenne Dich selbst!
Das altgriechische Ideal des „erkenne dich selbst“
ist ein erster Baustein einer ganzheitlich gesunden Persönlichkeit.
Emotionale Anteile anderer kann ich nur verstehen, wenn
ich im eigenen Haus meiner Seele Bescheid weiß, sonst
verkomme ich sehr schnell zum „hilflosen Helfer“,
der an einer „Neurose zu zweit“ bastelt, oder
auf der Flucht vor der eigenen Misere sich ins Dasein für
Andere stürzt. Ferdinand Raimund lässt seinen
Alpenkönig zum Menschenfeind sagen: „Du begehst
die größte Sünde, du kennst dich selber
nicht!“
Der Mensch ist ein Gemeinschaftswesen, ein ZOON POLITIKON,
auf Gemeinschaft hin angelegt und ohne sie nicht lebensfähig,
und auch die Gemeinschaft als ganze bleibt auf den Beitrag
des Einzelnen angewiesen.
Den, der sich im alten Griechenland außerhalb der
Polis stellte, der also seinen Beitrag zu leisten nicht
bereit war, nannten die Griechen IDIOTES, - einen, der sich
selbst und die Gemeinschaft um einen wesentliche Beitrag
beraubt.
Auch so genannte „Fachleute“ gehören hierher,
wenn sie sich nur auf ihr Fach konzentrieren und in der
Folge zu Recht mit dem zweifelhaften epiteton ornans „Fachidiot“
bezeichnet werden…
Eines der schlimmsten Schimpfworte der Navajo-Indianer lautet:
„Er benimmt sich wie einer, der keine Verwandten hat!“3.2.
Lerne aus deinen Fehlern!
Errare humanum est - Irren ist menschlich!
Humani nil a me alienum puto - Nichts Menschliches ist mir
fremd!
Alexander Mitscherlich hat einmal sinngemäß gesagt:
Identität haben heißt, die tausend Irrtümer
einzugestehen, die man im Verlauf seines Lebens durchgemacht
hat; denn unser Leben ist eine Kette, eine Aneinanderreihung
von Irrtümern, von Fehlern.
Wie aber in einem Beruf, von dem man sagt, es handle sich
um „Götter in weiß“ Fehler eingestanden
werden können, das überlasse ich in aller Demut
dieser hohen Festversammlung. Und schließen möchte
ich mit einem Gedicht von Peter Turrini:
„Wie lange noch
werde ich alles hinunterschlucken
und so tun,
als sei nichts gewesen?
Wie lange noch
werde ich auf alle eingehen
und mich selbst
mit freundlicher Miene vergessen?
Wie lange
müssen sie mich noch schlagen
bis dieses lächerliche Grinsen
aus meinem Gesicht fällt?
Wie lange noch
müssen sie mir ins Gesicht spucken,
bis ich mein wahres
zeige?
Wie lange
kann ein Mensch
sich selbst nicht lieben?
Es ist so schwer
die Wahrheit zu sagen
wenn man gelernt hat
mit der Freundlichkeit zu überleben.“
Arnold Mettnitzer
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