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HERBERGSUCHE

ICH HAB EIN KLEINES PROBLEM

„Ich hab ein kleines Problem“, sagte der Bär.
„Darf ich kurz…“
„Aber natürlich! Hallo und willkommen!“,
rief der Erfinder. „Ich weiß genau, was dir fehlt.
Ein schwerer Bär wie du, der braucht etwas,
um sich leicht zu fühlen. Und da sind sie auch schon!“
Er holt ein paar Flügel aus seiner Werkstatt und
schnallte sie dem Bären um.

„Hmm“, sagte der Bär nach einer Weile.
Dann trottete er weiter.

„Ich hab ein kleines Problem“, sagte der Bär.
„Darf ich …“
„Nur herein, nur herein!“, rief der Schneider.
„Die Flügel haben wir schon, sehr modisch,
sehr schick. Da fehlt nur noch der passende Schal.“
Schwungvoll wickelte er dem Bären einen
Langen Schal um den Hals.

„Hmm“, sagte der Bär nach einer Weile.
Dann trottete er weiter.

„Ich hab ein kleines Problem“, sagte der Bär.
„Darf ich …“
„Was für ein Kopf!“, rief der Hutmacher und rannte
Aufgeregt in seiner Werkstatt auf und ab.
„Ich weiß genau, was du suchst!
Sag kein Wort! So ein Kopf muss gut behütet werden.
Ich hab da etwas – wie für dich gemacht!“
Er holte einen Hut aus dem Regal, der aussah
wie eine Krone, und drückte ihn dem Bären auf den Kopf.

„Hmm“, sagte der Bär
nach einer Weile.
Dann trottete er weiter.

„Ich hab ein kleines Problem“, sagte der Bär.
„Darf ich …“

„Aber das sieht man doch auf den ersten Blick,
was dir fehlt, guter Freund!“, rief der Arzt.
„Du nimmst meine bunte Medizin, und in drei Tagen hast du
Die schönsten roten Wangen, die man nur haben kann.“
Er steckte dem Bären drei bunte Tabletten in den Mund
und gab ihm noch eine riesige Schachtel mit Medizin zum Mitnehmen.

„Hmm“, sagte der Bär nach einer Weile.
Dann trottete er weiter.

„Ich hab ein kleines Problem“, sagte der Bär.
„Darf …“

„Kein Wort zu viel, mein Freund der Strasse“,
sagte der Strassenhändler.
„Ich weiß, was es heißt, unterwegs zu sein,
ruhelos, von Ort zu Ort. Heute hier, morgen fort.
Da hilft nur eines: Man muss sich um sein Glück kümmern,
und wie könnte man das besser tun
als mit diesem einzigartigen wunderbaren Glücksbringer!“
Er legte dem Bären eine Kette mit einem großen,
schweren Anhänger um den Hals.

„Hmm“, sagte der Bär nach einer Weile.
Dann trottete er weiter.

„Ich hab ein kleines Problem“, sagte der Bär.
„Darf ich …“

„Nur keine Scheu! Nur keine falsche Bescheidenheit!
Die richtige Brille, die gibt’s nur bei mir!“,
rief die Frau mit den vielen Brillen und schon hatte
der Bär eine rote Brille auf der Nase.

„Hmm“, sagte der Bär nach einer Weile.
Dann trottete er weiter.

„Ich hab ein kleines Problem“, sagte der Bär.
„Darf ich dich …“

„Aber da wollen wir doch gar nicht lange herumreden!
Geschäft hin oder her. Bei Freunden überlege ich nicht lange.
Freunde sind die besten Kunden. Die muss man verwöhnen!“,
sagte die Frau, die vor dem Geschäft stand.
Sie ging hinein und holte einen goldgelben Topf.
„Lufthonig! Würziger, feiner Lufthonig! Gewonnen aus
Der allerbesten Wiesenluft! Eine Neuheit!
Eine Sensation! Davon muss man gekostet haben!“
Sie gab dem Bären einen Topf und verschwand im Geschäft.

„Hmm“, sagte der Bär nach einer Weile.
Dann trottete er weiter.

„Ich hab ein kleines Problem“, sagte der Bär.
„Darf ich …“

„Ich hätte ja meinen Beruf verfehlt,
wenn ich nicht auf einen Blick wüsste,
was dir fehlt!“, sagte die Frau,
die einen Turm von Schachteln trug.
„Ich wusste sofort, was du brauchst.“
Sie zog ein paar Stiefel aus einer Schachtel.
„Hier sind die besten Bärenstiefel, die es derzeit gibt.
Richtige Bären brauchen Bärenstiefel!“

„Hmm“, sagte der Bär
nach einer Weile.
Dann trottete er weiter.

Auf einem kleinen Hügel blieb der Bär stehen.
Er schaute lange auf die Wiesen und Felder
Und auf die Hügel der Stadt.
Er war müde.

Der Bär schnallte seine Flügel ab.
Er nahm den Hut vom Kopf und die Brille von der Nase.
Er legte seinen Schal weg und auch die Kette mit dem Glücksbringer.
Er zog die Bärenstiefel aus.
Er stellte das Glas mit dem Lufthonig zur Seite
und auch die Schachtel mit der bunten Medizin.
Dann seufzte er.

„Was ist los mit dir?“, fragte eine leise Stimme neben ihm.
Eine Fliege saß auf einem Grashalm und schaute ihn neugierig an.
„Ach, ich will gar nicht damit anfangen“, sagte der Bär.
„Es will mir ja doch keiner zuhören.“
„Ich bin da und höre dir zu“, sagte die Fliege.
„Worum geht’s denn?“

„Ich hab ein kleines Problem“, sagte der Bär.
„Ich fürchte mich im Dunkeln, so ganz allein in meiner Höhle.
Und ich kenne weit und breit keinen anderen Bären und auch sonst niemanden,
der bei mir in der Höhle schlafen möchte. Ich hab den ganzen Tag lang Angst vor der Nacht.“

„Das ist tatsächlich ein Problem“, sagte die Fliege.
„Aber ich weiß, wie wir es lösen können. Ich suche
nämlich gerade zufällig einen Platz zum Bleiben.
Und Bärenhöhle – das klingt ja richtig gemütlich.
Also – ich bin dabei! Was hältst du davon?“

„Hmm“, sagte der Bär nach einer Weile.
„Ich fühle mich jetzt schon besser. Einfach, weil du da bist.“
Die Fliege setzte sich auf die linke Schulter des Bären und machte es sich dort gemütlich.
Und dann trotteten sie los.

Heinz Janisch, Silke Leffler, Ich hab ein kleines Problem, sagte der Bär,
Annette Betz Verlag im Verlag Carl Überreuter 2007 ISBN 978-3-219-110889-0


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