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Zum Verwechseln ähnlich

Gott hauchte den Lehm an,
und es wurde der Mensch.
Und Gott sagte:
Mensch! Du bist mein Bild,
mir aus dem Gesicht geschnitten.
Und das ist deine Würde -
Sie ist göttlich! Mensch!

Und der Mensch sah sich an:
Und im Spiegel sah er sein Gesicht
und er fand, es genüge nicht,
Gott zum Verwechseln ähnlich zu sein.
Und er ging hin und legte sich
Würden zu,
selbstgemachte Ämter und Aufgaben
und er fügte Titel an Titel,
und seine Schultern konnten die Last kaum tragen.

Und er wuchs und wuchs
und machte Karriere.

Und als Gott seinem Ebenbild
wieder begegnen wollte,
fand er es nicht wieder
unter all den Gewändern des Aufstiegs
und der selbsternannten Größe.

Da verließ Gott seinen Himmel
und begann den Menschen
zu suchen.

aus: Wilhelm Bruners, Verabschiede die Nacht
        Klens Verlag, Düsseldorf 1999, S.16

 


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