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Entschleunigung oder die Wieder-Entdeckung
der Langsamkeit
Der historische Luxusdampfer "Titanic",
das Prestigeflugobjekt "Concorde" und das russische Atomunterseeboot "Kursk" haben
zwei Dinge gemeinsam: sie galten als unüberbietbare Meisterleistungen
und als unbesiegbare Strategieprojekte des zu Ende gegangenen Jahrhunderts.
Ihr jeweiliger nicht vorhersehbarer, völlig überraschender
Untergang steht uns als hintergründiges Symbol vor Augen. An
ihm ist abzulesen, was zu leisten der Mensch im Stande ist, - gleichzeitig
aber, wie brüchig und begrenzt menschliches Handeln bleibt:
Im Mikrokosmos unserer kleinen
Welt schaut es nicht viel anders aus: Auch hier wiederholt sich die
Spannung von großartiger Leistung und täglicher Grenzerfahrung:
In der Welt unserer eigenen vier Wände sind wir für einen
Augenblick glücklich; wenig später scheitern in dieser Welt
unsere Beziehungen und im Handumdrehen verlieren wir den Boden unter
unseren Füßen.
Das Unvermögen des beschleunigten Menschen liegt in einer wachsenden Unfähigkeit
zur Langsamkeit, Bedächtigkeit und gründlichen Prüfung, letztlich
in einer Unfähigkeit zur Hingabe. Es mag eine schnelle Leidenschaft, einen
rasanten Flirt oder eine kurze Liebschaft geben - Liebe und Hingabe aber brauchen
Zeit, die wir nicht mehr haben.
Die Entdeckung der Langsamkeit
ist daher auch eine Wiederentdeckung der Hingabe. Ob man sich beim
Wandern einer Landschaft, beim Musizieren der Musik, bei der Lektüre
einem Text oder bei der Liebe einem Menschen "hingibt",
- es kann nur gelingen, wenn man es ganz tut.
Liebe ist zur Kunst geworden, die immer weniger Menschen beherrschen; das verständnisvolle
Gespräch zwischen Menschen ist eine Kostbarkeit, die sich kaum mehr jemand
leisten kann.
„ Was ist das für
eine Welt, in der fürs Zuhören Honorare verlangt werden
müssen?“ fragt Sophie Freud, die Enkelin von S. Freud.
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