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Zum 150. Geburtstag von Gustav Mahler (*7. Juli 1860 in Kalischt)
aus dem Theatermuseum in Wien:
Am 7. Juli 2010 jährt sich zum 150. Mal der Geburtstag von Gustav Mahler. Wie kein anderer Musiker hat er Wien mit seinem Schaffen geprägt. Und wer Mahlers Musik „verstehen“ will, muss auch ein wenig von seiner Lebensgeschichte wissen:
Der Vater war Besitzer eines Gasthauses und einer Weinbrennerei in Kalischt an der böhmisch-mährischen Grenze. Die Mutter hatte 14 Kinder zur Welt gebracht, aber nur fünf blieben am Leben; sechs von ihnen starben früh. Gustav war der zweitälteste; besonders der Tod seines Bruders Ernst mit dreizehn Jahren, als Gustav selbst erst fünfzehn war, machte ihm sehr zu schaffen.
Die Atmosphäre in Mahlers Elternhaus war alles andere als harmonisch. Er musste mit ansehen, wie der Vater die Mutter derart schlug, dass sie eine Gehbehinderung davontrug. Für Mahler war dies ein Trauma, das er nur spät – wenn überhaupt - bewältigen konnte. Er erzählte Sigmund Freud davon bei einer psychoanalytischen Sitzung während eines vierstündigen Spaziergangs: Er sei, um dieser gespannten Atmosphäre im Elternhaus zu entkommen, auf die Straße gelaufen und dort habe er eine Drehorgel "oh du lieber Augustin" spielen gehört…
Freud notierte in sein Notizbuch: "Von dem Moment an hatte sich in seiner Seele tiefe Tragik und oberflächliche Unterhaltung unlösbar verknüpft und die eine Stimmung zieht unweigerlich die andere mit sich."
Vielleicht ist diese Episode ein Zugang zur Musik Gustav Mahlers. Er war ein Leben lang besessen von diesen zwei Themen, vom Leiden und von der Erlösung. Alle seine Symphonien sind letztlich diesen Themen gewidmet. Und sie alle gewannen fast immer die Herzen des Publikums, wenn auch nicht die der Kritik. Alles in allem kann Mahler aber schon zu Lebzeiten bei weitem mehr Triumphe als Niederlagen, mehr Begeisterung als Ablehnung erfahren.
Im Sommer 1906 beginnt er mit dem Entwurf der lebensbejahenden Achten Symphonie, die er "ein Geschenk an die Nation" nennt und in deren ersten Teil er mit einem alten Kirchenlied „Veni creator spiritus“ den Heiligen Geist, ich möchte fast sagen den „heilenden Geist“ anruft, herabruft auf die Nation, in der er lebt, auf die Stadt Wien, in der er so viel erlebt, aber auch so viel erlitten hatte. Aber der leuchtende Optimismus der Achten Symphonie konnte den Überdruss nicht verhüllen, den Mahler an Wien und an Österreich litt. Die ständige Feindschaft der Antisemiten und die Hinterhältigkeit aller Art hatten ihm das Leben in dieser Stadt so schwer gemacht, dass er einmal die pointierte Frage stellte: "Muss man denn hier erst gestorben sein, damit sie einen leben lassen?"
Im Mai 1907 kündigte Mahler seinen Rücktritt an.
Als er Wien Ende des Jahres 1907 verließ, versammelten sich 200 Bewunderer und Freunde am Bahnhof, darunter Arnold Schönberg mit seinen Schülern und Gustav Klimt. Dieser Abschied wirkte wie das Ende eines Goldenen Zeitalters. "Vorbei" soll Gustav Klimt gesagt haben, als der Zug mit dem winkenden Gustav Mahler aus dem Bahnhof rollte. Ein paar Jahre später ist Gustav Mahler nach Wien zurückgekehrt, um hier zu sterben. Todkrank notiert er in sein Tagebuch: "Anstatt eines großen geschlossenen Ganzen, wie ich es mir immer erhofft hatte, hinterlasse auch ich nur Stückwerk."
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