höre nicht auf mich

du bist zu jung um mich zu fragen

und ich hab angst vor dem moment:

'wie war dein leben? wie wird meins?

was soll ich tun, was soll ich lassen?

wann soll ich lieben, wann soll ich hassen?' –


ich weiß es nicht. ich weiß es nicht.


du neuer mensch, hör nicht auf viele.

auch nicht auf mich.

setze dir ziele – erwarte sie nicht, 

vertrau auf dein ich, –

doch hör nicht auf mich!


sag ja zu der liebe, sag nein zu der angst,

sei dankar für das, was du müh’los erlangst.

scheue die reue, doch hab ein gewissen für dich, –

doch hör nicht auf mich.


ford’re von dir und selten von andern, 

versteh, dass nichts bleibt – ein suchen, ein wandern.

glaub nie an die siege, nur an den über dich, –

doch hör nicht auf mich.


mach dich nie klein – wir sind nicht so groß.

verachte den neid und stelle ihn bloß, 

und wird ein prinzip dir einmal zu lieb, 

dann lass es im stich. – 

doch hör nicht auf mich.


zum glück sagt man “Sie”–

es steht uns nicht zu.

selbst mit dem leben sind wir kaum per du.

woher wir gekommen, wohin wir auch gehn –

wir wissen nur eins; dass wir gar nichts verstehn.


doch glaub an die liebe –

ich erleb’ sie durch dich!

und da hör auf mich.

hör einmal auf mich.

 

hildegard knef

Vorschau

Harald Schreiber

lockt in himmlische Kunstlandschaften

am Kirchplatz in Brückl

St. Johannerstraße 24

Samstag, 17. September ab 16 Uhr

 

Gedanken zum Thema von Arnold Mettnitzer

musikalisch kommentiert von Edgar Unterkirchner

U.A.w.g. E-Mail: atelier@harald-schreiber.com, Tel. 0664 5422153

Nachlese

O, Weisheit
Kleine Zeitung 04.09.2022
20220904 O Weisheit.pdf
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