Legende vom „modernen“ Menschen

Ein „moderner“ Mensch verirrt sich in der Wüste. Die unbarmherzige Sonnenglut hatte ihn ausgedörrt. Da sah er in einiger Entfernung eine Oase. Aha, eine Fata Morgana, dachte er, eine Luftspiegelung, die mich narrt. Denn in Wirklichkeit ist gar nichts da. Er näherte sich der Oase, aber sie verschwand nicht. Er sah immer deutlich die Dattelpalmen, das Grad und vor allem die Quelle. Natürlich eine Hungerfantasie, die mir mein halb wahnsinniges Gehirn vorgaukelt, dachte er. Solche Fantasien hat man bekanntlich in meinem Zustand. Jetzt hört er sogar das Wasser sprudeln. Eine Gehör-Halluzination. Wie grausam die Natur ist. Kurze Zeit später fanden ihn zwei Beduinen tot. „Kannst du so etwas verstehen?“ sagte der eine zum anderen, „die Datteln wachsen ihm beinahe in den Mund. Und dicht neben der Quelle liegt er verhungert und verdurstet. Wie ist das möglich?“ Da antwortete der andere: „Er war ein moderner Mensch.“

 

Aus: „An jedem neuen Tag“, Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste, Stuttgart

 

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